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Thema: EV Veteran ZAZ Tavria rollt wieder
EV Veteran ZAZ Tavria rollt wieder 
27.06.2008 22:53:01, von: Christoph

So, nun fahre ich auch elektrisch. Bisher lediglich ein paar Kilometer zum Testen, was denn noch alles zu reparieren ist, aber ein Anfang ist gemacht. Die Todo-Liste wird mit jem Mal Fahren länger, aber bis zum Vorführtermin müsste es klappen, alles zu reparieren. Obwohl von 1991, entspricht die Technik etwa dem Stand von 1970 in Europa, was jedoch für die Restauration der Baugruppen ein Segen ist. Mal sehen, ob diese Meinung auch nach dem Überholen der gesamten Bremsanlage bestehen bleibt.
Wunder sind nicht zu erwarten; kein ABS, kein Servo, aber etwas mehr als nur heiss werden mit kaum spürbarer Entschleunigung ist dann doch etwas wenig. Die Rekuperation funktionierte bisher auch nur digital mit einer Komplettabschaltung der Steuerung mitten im Kreisel in Rüti. "Ein Boot tut immer gut", also nach Betätigung von Not-Aus und komplettem Abschalten und Wiederinbetriebnahme konnte ich die Fahrt dann doch fortsetzen.

Völlig zufällig stolperte ich über dieses Auto, ZAZ Pinguin Tavria sagte mir bis vor vier Wochen gar nichts, obwohl deutlich bewandert zum Thema Automobil. Der Zustand ist sehr gut, weil das Auto nur 5000km hat, nie im Winter gefahren wurde und bis auf die letzten zwei Jahre trocken stand. Die Batterien waren nicht mehr vorhanden.
Mit alten Autobatterien konnte die Steuerung rudimentär überprüft werden, so dass der Entscheid fiel, neue Batterien zu kaufen. Aus Kostengründen bleibt es bei Blei, aber wenigstens als Gel-Traktionsbatterien. Dem Wunsch der Ehefrau, das Teil etwas tiefer zu legen, konnte mit dem Einbau der Batterien auch schon deutlich entsprochen werden. :)
Das Gesamtgewicht mit 1140kg ist nicht berauschend, aber es ist schliesslich auch ein Auto mit 5 Plätzen und nicht eine Keksdose mit lediglich einem Fahrer drin.

Bisher gelang es mir noch nicht, Kontakt zu anderen Besitzern oder Fahrern zu knüpfen, vielleicht klappt es auf diesem Weg. An einem Abbruch-Fahrzeug wäre ich auch interessiert, um das eine oder andere kritische Teil an Lager nehmen zu können.

Gerne biete ich auch meine Hilfe an, um allfällig anderen Zaz's auf die Räder zu helfen. Als El. Ing. mit mittlerweile den meisten Schemas bewaffnet, bin ich prädestiniert. Allerdings fürchte ich, dass von den gerüchteweise 200 Stück in die Schweiz importierten Fahrzeugen nur ein bis wenige Prozent überlebten.

So, morgen geben wir nochmals ein wenig Strom, Gasgeben ist bei einem EV doch eher nicht angebracht und gesund.

Gruss

Christoph
 
 
03.07.2008 17:44:47, von: Petra

Für alle diejenigen, die NICHT wissen, wie Christophs Gefährt aussieht :shock:
Etwa folgendermassen:

http://www.cardatabase.net/search/photo_search.php?id=00016595

oder als Bild zum Runterladen:
 
 
03.07.2008 21:05:14, von: Christoph

Naja, soooo schlimm sieht's dann auch wieder nicht aus. Zumindest ist mein Exemplar mit ohne Rost, von ein paar kleinen Dellen mal abgesehen:

EDIT 1.12.2008 Urpsprünglicher Link nicht mehr online, deshalb neuer link
http://www.evalbum.com/2237

Gruss

Christoph
 
 
21.08.2008 15:54:49, von: Christoph

Nachtrag: Das Auto ist nun weitgehend in Schuss gebracht, frisch vorgeführt und hat im Alltag bereits 1000km abgespult. Der Verbrauch ist mit 26kWh/100km (inkl. Laderverlusten, Licht und Nebenaggregaten) etwas höher als die Prospektangaben, aber noch im Rahmen für das hohe Gewicht der alten Karre. Das Oberland ist zudem deutlich hügliger als man das im Benziner "erfährt" und fordert auch seinen Tribut.
Je nach Stromtarif entspricht der Verbrauch zwischen 1.2 und 2.5 Liter/100km.

Die Rekuperation ist zwar mittlerweile repariert, hilft aber für die Stromersparnis nicht merklich. Die mechanische Bremse wird hingegen sehr deutlich entlastet und funktioniert nun wenigstens so, wie sie konstruiert ist. Beim Kopieren der Fiat-Bremsen haben die Jungs in der Ukraine einige Dinge "verschlimmbessert" und die Konstruktion leider so verändert, dass nur gewisse Teile aus dem Fiat-Regal verwendet werden können, nicht aber die gesamte Bremse.

Die Fahrleistungen sind erwartungsgemäss mit einem Benziner vergleichbar, wenn dessen Handbremse angezogen ist. Geradeaus liegen echte 85km/h drin, auf der Autobahn von Hinwil nach Rüti waren es auch schon handgestoppte 110km/h. Von Rüti nach Hinwil sind's nur 70km/h. Das Auto wird dadurch zum Präzisions-Inklinometer.

Bis zum Herbst müssen noch Balancer für die Batterien gebaut werden und die Heizungen sind auch noch zu reparieren.

Gruss

Christoph
 
 
24.08.2008 09:30:20, von: Petra

26 kWh sind energietechnisch 2,6 l.


((Kopie aus Wikipedia))
Der physikalische Vergleich der Heizwerte (kWh pro m³) zeigt, dass die Vorteile bestimmter Treibstoffe im Kraftstoffverbrauch bei der Angabe in l pro 100 km auf ihrer höheren Dichte und dem entsprechend höheren Gewicht pro Liter beruhen und nicht auf ihrem Energiegehalt pro kg:

* Benzol: Dichte 880 kg/m³ flüssig[2], Heizwert 11,1 kWh/kg = 9,76 kWh/l
* Diesel: Dichte 830 kg/m³ flüssig, Heizwert 11,8 kWh/kg = 9,8 kWh/l
* Erdgas H-Gas (CNG/GNV): Dichte 0,81 kg/m³ (Normkubikmeter) gasförmig, Heizwert 13,0 kWh/kg = 10,5 kWh/m³
* Methanol: Dichte 787 kg/m³ flüssig, Heizwert 6,49 kWh/kg = 5,1 kWh/l
* Ethanol: Dichte 789 kg/m³ flüssig, Heizwert 7,44 kWh/kg = 5,9 kWh/l
* Autogas (LPG/GPL): Dichte 540 kg/m³ flüssig, Heizwert 12,8 kWh/kg = 6,9 kWh/l
* Superbenzin: Dichte 740 kg/m³ flüssig, Heizwert 12,0 kWh/kg = 8,9 kWh/l
* Pflanzenöl: Dichte 920 kg/m³ flüssig, Heizwert 10,0 kWh/kg = 9,2 kWh/l
* Erdgas L-Gas (CNG/GNV): Dichte 0,82 kg/m³ (Normkubikmeter) gasförmig, Heizwert 11,3 kWh/kg = 9,3 kWh/m³
* Benzin-Benzol-Gemisch (Bibo): Dichte 796 kg/m³ flüssig, Heizwert 11,6 kWh/kg = 9,3 kWh/l
 
 
25.08.2008 13:23:26, von: Christoph

Das mag ja so sein mit dem Vergleich des Heizwertes. Da ich aber auf meinem Konto Fränkli habe und nicht Heizwerte, erachte ich den Vergleich über die Kosten als aussagekräftiger und ergo auch statthaft. Es geht mir darum, zu wissen, wie lange ich mit der ollen Karre fahren muss, um die Investition der Batterien über gespartes Benzin refinanziert zu haben. Je nach Stromtarif entspricht der Verbrauch dann einem Gegenwert von 1.5 bis 2.5 Liter auf 100km, basierend auf einem Benzinpreis von 2 Franken. Gegenüber meinem Benziner (auch kein dramatischer Säufer) spare ich somit 6 bis 8.5 Liter/100km oder in Franken ausgedrückt 12.-- bis 17.-- pro 100km und erhalte einen Break-Even von 33'000 bis 46'000 km. Steigt der Benzinpreis auf 3 Franken, sind es noch 22'000 bis 31'000 km. Eine Fahrleistung von rund 10'000km ist noch realistisch, mehr werde ich kaum erreichen mit der Stromkiste. Für diese Strecke sind dann 250 bis 500 Ladungen (Zyklen) nötig, also muss ich davon ausgehen, dass als worst-case die Batterien nach 3 Jahren zu ersetzen sind. Es kann somit durchaus sein, dass die ganze Geschichte am Ende gerade so aufgeht oder vom Konto für "Hobby, Weiterbildung, Basteleien und sonstiger Unfug" gesponsert werden muss.

Gruss

Christoph
 
Tavria- Elektro 
30.07.2009 12:09:36, von: Kalle

Hallo Christoph,


habe deinen Beitrag hier im Forum gefunden und mich köstlich amüsiert. Auch ich bin eher zufällig an dieses Tavria E-Mobil gekommen- spontan bei Ebay ersteigert. Welche Erfahrungen hast du in der Zwischenzeit mit dem Auto gesammelt, bist du zufrieden? Wir können ja unsere Erfahrungen etwas austauschen.

Kollegiale Grüße aus der BRD,

Kalle

karl-heinz_wiemer@web.de
 
 
02.08.2009 11:12:26, von: Christoph

Hallo Karl-Heinz

"Zufrieden" bin ich mit der Situation, wohl kaum mit dem Auto. Im Unterschied zum automobilen Durchschnitt von 1991 ist der ZAZ doch schon sehr rückständig. Nach 8000 km konsequentem Einsatz für den Arbeitsweg und Nahbereich, diversen Reparaturen und vielen Erlebnissen würde ich aber das Auto trotzdem wieder kaufen und instandstellen. In letzterem liegt in meinem Fall auch der Reiz und die Quelle für den Enthusiasmus, weil es mein Hobby ist. Nach und nach arbeite ich mich in der gesamten Technik auf Bauteilstufe herunter und eröffne mir dadurch die Möglichkeit, nahezu 100% in Eigenleistung zu reparieren und warten und damit einigermassen günstig elektrisch zu fahren. Wenn Du mit diesem Auto in Werkstätten gehen musst, ist es nicht finanzierbar und ein neuer Twingo oder Panda brächte dann, nicht nur von den Fahrleistungen her, mehr.
Ganz wichtig, und deshalb schreibe ich das auch hier im Forum, ist die Überholung der Bremsanlage. Die Anlage ist zwar als Zweikreis ausgelegt, was aber lediglich bedeutet, dass auch zwei Kreise gleichzeitig ausfallen. Deshalb die dringende Empfehlung, den HBZ zu überholen (die Dichtungen sind identisch mit Teilen von Fiat) und die Handbremse gut einzustellen und periodisch auch nachzustellen. Im Gegensatz zum Benziner haben wir keine Motorbremse, weil auf die Reku darfst Du Dich nicht verlassen, somit bleibt die Handbremse die einzige Versicherung. Eine gute Nachricht gibt es aber auch: der HBZ der frühen Fiat 124 Spider passt als Ersatzteil und ist auch zu erschwinglichen Preisen erhältlich.
Schön, wenn ein weiterer ZAZ auf die Strasse kommt, in der Schweiz habe ich bisher keinen weiteren gefunden, weder fahrend noch stehend.
Selbstverständlich lasse ich Dir die gesamten gesammelten Informationen zukommen per Mail oder CD.

Gruss

Christoph

P.S. Im evalbum würde sich ein weiterer ZAZ auch ganz gut machen.
 
 
02.08.2009 12:21:16, von: Kalle

Hallo Christoph,

vielen Dank für deine Antwort. Bin inzwischen etwa 1000 km mit dem Tavria gefahren, bislang ohne Probleme. Anfangs war alles etwas zäh, inzwischen geht alles besser, das tägliche fahren tut dem Auto wohl gut. Anfangs war bei 85-90 km/h Schluss, jetzt läuft er 110 km/h, damit bin ich zufrieden, zumal mir diese 110 wie knappe 200 km/h vorkommen. :-) Im Straßenverkehr kann ich ohne Probleme mithalten, im Gegenteil, ich stehe wegen langsamer vorausfahrenden Fahrzeugen teilweise noch immer auf der Bremse. Eine Bremsenergierückgewinnung scheint auch verbaut zu sein, zumindest gehen beim Bremsen immer die LED´s von der Batteriekapazität wieder in Richtung 100% . Anscheinend besitze ich mit BJ: 1993 die 2. Ausführung dieses E-Modells, gefertigt in Ostdeutschland. Der Antriebsmotor ist von VEM, bislang würde ich die Technik als sehr robust bezeichnen. Einzigstes kleines Problemchen, welches ich bislang habe: beim Anfahren mit Vollgas gibt es manchmal einen Knall, die Vorderreifen quietschen kurz auf und dann steht die tolle Kiste. Erst nach erneutem Gas geben setzt sich das Teil wieder in Bewegung. Ist vielleicht ein Überlastschutz? Kommt nur bei Vollgas im Anfahren vor.
Ich wäre dir natürlich sehr dankbar, wenn du mir deine gesammelten Unterlagen zusenden würdest, Email wäre ok, 50MB je Mail sind da bei mir machbar.

So, kollegiale Grüße von der Tavria-Front-BRD,

Kalle

PS: Werde versuchen das Auto im evalbum einzustellen.
 
 
20.11.2009 00:18:41, von: norman

Hallo Christoph,

nachdem ich schon längere Zeit nach einem Elektroauto gelechzt habe,konnte ich nicht mehr wiederstehen und habe spontan auch einen Zaz Tavria auf ebay in Deutschland ersteigert. Hat die ganze Hobbykasse geleert.
Leider sind bei uns in Norwegen Elektroautos nahezu unbezahlbahr weil die Vorteile recht enorm sind:

Die sind von Mehrwertsteuer und Kfzsteuer befreit.
Keine Bearbeitungsgebühren bei der Zulassung usw.
Freie Fahrt durch alle Mautstationen.(von denen gibts hier viele!)
Kann Kollektivfeld in den Städten benutzen.
Keine Parkplatzgebühren irgendwo
Ausserdem kriegt unsere Gemeinde Geld vom Staat um für uns zwei Elektroautos hier eine Ladestation zu unterhalten ... usw,
Die Verzollung ging dann mit 200 nkr im Plus (Zinsen für das Autopfand , kriegste beim Verschrotten eines Autos zurück.

Das einzige Auto das für mich hier übrigens mal erschwinglich war, ein Golf 3 mit defekten Batterien , war 20 sec nachdem der Besitzer es bei finn.no (wo man halt hier seine Autos verkauft) ins Netz stellte verkauft. Hab ich erst nach zwei Wochen erfahren ,nachdem der Mann sein Telefon wieder aktiviert hatte.
Also musste es ein Import sein und weil der Tavria einen guten Eindruck machte ,Batterien ok, technisch soweit in Ordnung, bisschen Rost unterm Wagen halt. -gekauft
Bin selbst Servicetechniker Schwachstrom, ( Der Tavria fällt da wohl mit rein )
Ausserdem sind zwei Schwiegersöhne Kfz.Mechaniker. Da gibts keine Probleme.
Und nun zum Wagen:
1996 ,wahrscheinlich in Deutschland umgebaut mit Curtis Pmc Controller. 12 kW motor.
werde mal ein Bild reinstellen ,sobalds hier zu regnen aufhört.

Nun kommt mein Problem:

Für die Zulassung brauche ich irgendeine Dokumentation dass das Kfz den damaligen
Vorschriften entsprochen hat .Egal was. Eine Typenzulassung gibt es aus Deutschland offenbar nicht.Tüv und Dekra haben keine Angaben zum Typ in ihren Archiven.
Es würde wahrscheinlich reichen dies für irgendein anderes Fahrzeug gleicher Art belegen zu können. Die sind hier einigermassen flexibel. Aus dem Link von Dir kann ich entnehmen. dass da eine Art allgemeine Betriebserlaubnis in der Schweiz existiert
(1Z05 01, von 1991-01-09 ).
KönntestDu mir eventuell eine Kopie per email zukommen lassen ( nkrug@start.no) oder wo könnte man die sonst herbekommen?
Wenn mir sonst irgendein anderer Leser des Forums da irgendwie aushelfen kann, wäre ich auch sehr dankbar.

Viele Grüsse aus dem Norden
norman
 
 
20.11.2009 20:01:56, von: Christoph

Hallo Norman

Ich mache Dir einen Scan vom Typenschein und meinem Fahrzeugausweis und sende Dir das zu. Von einem deutschen Fahrzeug kann ich Dir auch den (deutschen) Fahrzeugausweis scannen. Der Grund ist, dass Unterschiede zwischen meinem Auto zu Deinem bestehen, z.B. Motorhersteller, Batterieanordnung, Heizung.

Weiteres per Mail. (dauert aber ein paar Tage...)

Gruss

Christoph