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Thema: Mein E-Twingo Projekt
Mein E-Twingo Projekt 
27.03.2014 19:25:09, von: Typhoon

Hallo zusammen,

um mich kurz vorzustellen. Mein Name ist Dominik Wüst und ich komme aus dem Rheintal in St. Gallen. Ich habe Elektrotechnik studiert und arbeite in der Firma Brusa Elektronik AG ([url=http://www.brusa.biz][/url]) im Bereich Prototypenbau/Entwicklung.

Neben meinem Benzinauto wollte ich schon länger ein Elektroauto für Kurzstrecken wie den Arbeitsweg. Bei uns in der Firma kann ich zudem gratis Tanken. Wer sich schon mit diesem Thema befasst hat weiss das ein Elektroauto luxus ist. Die Batterie oder das Batterieleasing ist noch sehr teuer. Wenn man etwas rechnet kommt man auf Batteriekosten von ungefähr 10Fr auf 100km. Zusätzlich kommen noch Stromkosten von 3-4Fr auf 100km. Da fahren die altmodischen Benziner günstiger.

Letzten November hat sich eine Gelegenheit ergeben. Per Zufall habe ich einen defekten MES-DEA Twingo im Autoscout entdeckt. Baujahr 2008 und Preis fast geschenkt. Die Batterie soll kaputt sein. Ich kenne mich mit Elektroautos sehr gut aus. Wieso nicht selber analysieren und reparieren? Ich habe eine Firma im Rücken die mich unterstützt. Wir haben früher Projekte mit MES-DEA gemacht und immer noch Kontakt mit FiammSoNick.

Hier mein Reparatur- und Erfahrungsbericht.

Batterie
In Frage kam eine günstige Reparatur oder die Entwicklung einer neuen LiFePo4-Batterie. Für den Twingo habe ich die nötige Analysesoftware und PCAN-Adapter. Ich konnte feststellen das die Batterie noch intakt ist, aber die Überwachungselektronik (BMI) immer wieder aussteigt. Ich habe die Batterie ausgebaut und das BMI zerlegt. Der Watchdog vom Mikrocontroller löste immer wieder einen Reset aus. Ich habe viel Zeit investiert und sogar den Mikrocontroller gewechselt. Der Fehler muss im Flash/EEPROM oder RAM Baustein liegen. Diese Teile konnte aber nirgends auftreiben.

Ich habe über die Firma Kontakt mit FiammSoNick hergestellt und ein neues BMI bestellt. Das ging relativ flott. Zwei Wochen später hatte ich bereits Post. Das neue BMI montiert, kurz mit Zebramonitor parametriert und die Batterie wieder in meinen Twingo eingebaut.

Wie durch ein Wunder funktionierte der Twingo wieder! Das ist die Kurzform. In echt habe ich fast 3 Monate benötigt. Ende Januar habe ich das fahrbereite Elektroauto dann eingelöst.

Ich traue der Zebra Batterie nicht über den weg und plane bereits ein Lithium-System. Umgesetzt wird es aber erst wenn meine Zebra den Geist aufgibt. Der Entwicklungsaufwand für das nötige System ist nämlich nicht zu unterschätzen. Ich habe Erfahrungen aus einem ähnlichen Projekt.

Antrieb
Nach 5 Wochen intensiver Nutzung (ca. 1200 km) ist mir der Twingo kurz vor Zuhause abgelegen. Erst keine Fehlermeldung, nur ein gestocke wenn man auf das Gaspedal drückt. Dann meldete die Batterie auch schon einen Isolationsfehler. Die Analyse zeigte: Batterie meldet externen Isolationsfehler und der Umrichter meldet keinen Fehler. Deutet auf einen Defekt im Umrichter oder Motor hin. Ich habe den Motor elektrisch abgehängt und mit einem Isolationstester nach der Fehlerquelle gesucht. Der Elektromotor hatte tatsächlich einen Isolationswiderstand von 3 Ohm. Verdammt.

Mit einem Mechaniker Kollegen habe ich den Motor ausgebaut und in der Firma zerlegt. Da ist Feuchtigkeit reingekommen. Die Wicklung war leider nicht mehr zu retten. Ich habe bei Kamoo ein Occasions Motor gekauft und eingebaut.

Noch zum wieso: MES-DEA hat früher eine Zeit lang den Wellendichtring verkehrt eingebaut. Zusätzlich zwischen Motor und Getriebe nicht abgedichtet. Das hat über viele Jahre zu diesem Ausfall geführt... Schade!

Ladegerät
Kurz darauf ging noch das Ladegerät kaputt. Machte einen satten Kurzschluss AC-seitig. Wieviel Pech kann man haben?

Geschwindigkeit war gefragt, man will ja nicht das die Batterie abkühlt. Das Ladegerät ausgebaut und zerlegt. Keine einfache Konstruktion. Zum Glück war die Elektronik relativ simpel und leicht zu durchschauen. Ausfallursache schon wieder Feuchtigkeit. Ich habe die Leiterplatte repariert, die defekten Halbleiter ersetzt und das Gerät mit viel Silikon wieder zusammengebaut. Da kommt jetzt kein Wasser mehr rein.

Differentialgetriebe
Das Getriebeöl habe ich mal kontrolliert. Sah gar nicht mehr gut aus. Mein Mechaniker Kollege meinte ein Wechsel lohnt sich alle 20'000km. So hält das Getriebe länger.

Schluss
Im moment läuft alles super. Bald muss ich den Twingo beim Strassenverkehrsamt vorführen. Hoffentlich geht alles glatt über die Bühne.

Der Twingo war bis jetzt ein sehr zeitaufwendiges Hobby.
Besonderen Dank geht an JPKessler (Forum), Petra (Forum) und Roger Knecht (Kamoo)

Bei Fragen helfe ich soweit möglich.

LG Dominik
 
Re: Mein E-Twingo Projekt 
01.04.2014 21:09:57, von: JPKessler

Ciao Dominik

Letzten Dienstag habe ich meinen Twingo vorgeführt, und davor 3 Franken investiert, 2 Franken für's waschen und 1 Franken für's Staubsaugen, und der Twingo hat bestanden! Das nenne ich kostengünstig, die Elektromobilität scheint sich durchzusetzten... 8) Der Prüfer ist zuerst ums Gebäude gequitscht, er hatte wohl Freude an den durchdrehenden Rädern und hat danach die ganze Prüfzeit im Innern des Gebäudes mit mir geredet...und das Steinschlagloch genau "im linken Auge" der Windschutzscheibe nicht gesehen...

Bis in 2 Jahren!

Gruss
 
Re: Mein E-Twingo Projekt 
16.04.2014 19:46:00, von: Typhoon

Cool JPKessler.

Frage an alle Twingo Besitzer:

Hattet ihr schon Probleme mit dem Differentialgetriebe? Wenn ja nach wievielen Kilometer? Sind diese etwas schwach ausgelegt?

Ich glaube die starke Rekuperation tut dem Getriebe nicht gut. Bei der Autobahnausfahrt hatte ich einen extremen Lastwechsel (von +90A auf -70A) ich wusste gar nicht das der so stark rekuperieren kann. Vielleicht täuschen mich die Sinne, aber ich könnte meinen das ich seitdem ein leises Chrosen beim Beschleunigen höre. :o
 
Re: Mein E-Twingo Projekt 
10.05.2014 15:07:47, von: Petra

PS: ... Merci übrigens für den coolen fachmännischen Beschrieb!

Grüss dich
Petra
 
Re: Mein E-Twingo Projekt 
22.05.2014 14:58:48, von: JPKessler

Mein Differenzial hat ca. 90000 km gehalten, dann habe ich es auswechseln lassen, ist zu schwach ausgelegt!

Meine Zebra ist von Kamoo auf ein Rekuperieren von max 35A programmiert, ich glaube dass man die Zebra mit höherem Reku. zerstören kann!!!! :shock:

Gruss

JPK
 
Re: Mein E-Twingo Projekt 
29.05.2014 21:33:08, von: Typhoon

Hmm ich habe zumindest die neuste Firmware von FiammSoNick auf meiner Batterie. Die lässt anscheinend solch hohe Rekuperation zu.

Nach zwei Wochen Arbeit läuft mein Twingo wieder...

Ich hatte ja den Ausfall vom Ladegerät wegen Feuchtigkeit. Daraufhin habe ich das Ladegerät repariert. Vor zwei Wochen hatte ich den Dritten Ausfall. Anscheinend stimmt etwas mit der Regelung im Ladegerät nicht, eine weitere Reparatur macht keinen Sinn.

Ich habe nun ein NLG513 von Brusa Elektronik AG integriert:
[/url]

Was wir gemacht haben:
- Rücksprache mit FiammSoNick bezüglich Kommunikation Batterie -> Ladegerät
- Kommunikationsschnittstelle Batterie -> NLG513 entwickeln (Hardware und Software)
- Halterung für das neue Ladegerät abändern
- Einbau

Positiver Nebeneffekt von der Aktion ist eine 10% höhere Ladeleistung als vorher. Von 3000W auf immerhin 3300W Ausgangsleistung.

Ein paar Bilder vom Einbau:
[url=http://www.evpower.ch/bilder/IMG_3309.JPG]

[/url]
[url=http://www.evpower.ch/bilder/IMG_3311.JPG]

[/url]
[url=http://www.evpower.ch/bilder/IMG_3313.JPG]


P.S. Ich habe wahrscheinlich den einzigen gelben E-Twingo in der Schweiz (wurde von meinem Vorbesitzer umlackiert)

[url=http://www.evpower.ch/bilder/IMG_3141.JPG][/url]
 
Re: Mein E-Twingo Projekt - Suche nach Zulassungspapieren 
22.10.2018 21:10:08, von: SimonWulf

Hallo liebe Forumsbesucher

Ich habe einen MES-DEA Twingo Quickshift Elettrica Baujahr 2008 mit Schweizer Zulassung, den ich gerne in Deutschland zulassen würde. Dafür bräuchte ich Die Typenzulassung der Schweiz oder zumindest ein Datenblatt um diese unserem TÜV vorzulegen.
Ich würde mich über jede Art von technischer Information freuen, da dies anscheinend sehr schwer zu bekommen ist.
Vielen Dank schon einmal im Voraus.